Streiflicht

Wiesbaden MarktplatzMarktplatz, Wiesbaden, Oktober 2017. Fotografiert mit einem Pentax ME in Kombination mit einem SMC Pentax 135mm f3.5 Objektiv. Ilford Panf50 (abgelaufen), belichtet auf ISO32, entwickelt in Rodinal (13 Minuten bei 18°C, 30 Sek. kippen, dann 4x jede Min.).

Wie vor 100 Jahren: mit einer Kodak No. 2A Folding Autographic Brownie fotografieren

Seit langer Zeit habe ich in einer Schublade eine alte Kamera liegen, die ich von meinem Großvater bekommen habe und von der ich nicht wusste, ob und wie sie überhaupt geht und so. Man könnte sie gut als Deko verwenden, aber da wir keinen Fotografenladen haben (wer weiß, vielleicht später mal) ist es nicht so angebracht. Im Wohnzimmer auf dem Fensterbrett oder so sähe sie ziemlich random aus.

Nun habe ich sie mal ausgeführt. Eins vorweg: Totalkatastrophe. Erstens sind die 616/116-Filme, für die die Kamera damals gebaut worden ist, nicht mehr zu bekommen. Es sei denn du kaufst irgendwelche aus Amerika, abgelaufen und zu astronomisch hohen Preisen. Deswegen musste ich es mit einem normalen 100er probieren, was auch problemlos geht eigentlich und noch besser gehen würde, hätte ich vorher die Filmspülen ein bisschen angepasst und so. Jetzt weiß ich, dass es dafür im Netz ziemlich tolle Anleitungen gibt, aber ich habe es nicht gemacht, werde es vielleicht später mal, aber jetzt hatte ich das halt noch nicht. Also waren fast alle Bilder quasi über- oder doppelbelichtet. Und dann habe ich noch entdeckt dass der Balgen nicht mehr 100% Lichtdicht ist, was natürlich zu so komischen Lichtflecken führt. Aber an sich scheint die Kamera zu funktionieren. Ich werde sie ein bisschen ertüchtigen, und beim nächsten Urlaub kommt sie definitiv mit. Denn cool ist sie auf alle Fälle!

S/W-Bilder selbst entwickeln

Irgendwie hatte ich zwar immer vor, meine Filme selbst zu entwickeln, aber der Aufwand schien mir riesengroß und der Gang zur Drogerie oder zum örtlichen Fotofachhandel ist bekanntlich sehr bequem. Vor etwa einem Monat aber gab ich einen S/W-Film nur zur Entwicklung ab und als bei Abholung 7€ fällig wurden (was zwar nicht viel ist, aber in Anbetracht des Aufwandes und des Wareneinsatzes trotzdem schon fast Wucher), habe ich mich nochmal mit der Sache auseinandergesetzt. Spoiler: Es gibt keinen Grund, seine Filme nicht selbst zu entwickeln.

ORWO NP22 (ein abgelaufener DDR-Film, MHD ca. 1993), ISO 125, belichtet bei ISO 60 und entwickelt in Rodinal 1+25 (5 Min., 30-Sek-K.)

Lange Zeit dachte ich, dass ein völlig abgedunkelter Raum für die Filmentwicklung unabdingbar ist, aber das gilt wohl nur, wenn du selbst Abzüge machst. Ein Wechselsack tut es auch. Was du sonst noch so brauchst (und das ist für kleines Geld zu haben) ist ziemlich einfach über Google herauszufinden. Bei der Anschaffung von dem ganzen Equipment habe ich nicht darauf geachtet, irgendwelche Schnäppchen zu machen (was über eBay und Co. sicherlich möglich ist) und trotzdem wird sich das alles bei der Entwicklung meines 10. Filmes amortisiert haben. Aber abgesehen davon, dass es günstig ist, seine Filme zu entwickeln…

…macht es vor allem eine Menge Spaß. Im Wechselsack spule ich den Film in den Entwicklungstank (was tatsächlich einfacher ist, wenn das Ende des Filmes nicht ganz in die Filmbüchse zurückgespult wurde, da die Büchse dann nicht aufgebrochen werden muss) und verschraub diese. Das ist der heikelste Teil, aber das kann man einfach mit einem unbelichteten Film vorher ein bisschen üben. Das eigentliche entwickeln ist wie kochen, nicht schwieriger und vielleicht sogar ein bisschen einfacher, und dementsprechend finden sich im WWW genügend Anleitungen. Das ganze Prozeß dauert meistens so 15-30 Minuten, vom Trocknen abgesehen, denn nach dem Baden sollten die Negative genügend Zeit haben ein bisschen zu trocknen. Das ist aber der schönst denkbarer Moment, wenn der Streifen von der Decke hängt und mit einer Taschenlampe die Resultate begutachtet werden können.

Agfa APS 400, der Gebrauchsanweisung entsprechend entwickelt in Rodinal 1+25.